Mit einer Ausstellungseröffnung sowie einer öffentlichen Vortrags- und Podiumsdiskussion ist am 25. Februar 2026 in Bernkastel-Kues des sogenannten Winzersturms vor 100 Jahren gedacht worden. Die Veranstaltung rückte ein außergewöhnliches Kapitel deutscher Steuer- und Verwaltungsgeschichte in den Mittelpunkt und schlug zugleich den Bogen zur Bedeutung von Protest und staatlichem Handeln in der heutigen Demokratie.
Am Nachmittag wurde in der Verbandsgemeindeverwaltung Bernkastel-Kues die Ausstellung „Protest in der Demokratie“ im Rahmen einer Feierstunde für geladene Gäste von Bürgermeister Leo Wächter eröffnet. In seiner Einführung ordnete Dr. Matthias Vollet von der Kueser Akademie der Europäischen Geistesgeschichte die historischen Ereignisse des 25. Februar 1926 in ihren politischen und gesellschaftlichen Kontext ein.
Damals hatten sich rund 5.000 Winzer in Bernkastel versammelt. Was als Kundgebung gegen die als existenzbedrohend empfundene Besteuerung begonnen hatte, eskalierte: Das Finanzamt wurde gestürmt, Akten wurden auf die Straße geworfen und verbrannt, Beamte verletzt. Vier Wochen später beschloss der Reichstag die Abschaffung der Weinsteuer – ein kurzfristiger Erfolg, der jedoch die strukturellen Probleme des Weinbaus nicht dauerhaft löste.
Festrede und klare Botschaften
Am Abend fand auf Einladung der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, des Finanzamts Wittlich und des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich eine öffentliche Vortrags- und Podiumsdiskussion statt. Festredner war Peter Müller, ehemaliger Bundesverfassungsrichter und früherer Ministerpräsident des Saarlandes. In seiner Rede betonte er die Bedeutung des Rechtsstaats und die Verantwortung demokratischer Institutionen, gesellschaftliche Spannungen frühzeitig wahrzunehmen und konstruktiv zu bearbeiten.
Daniela Schmitt, Ministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, hob in ihrem Grußwort u.a. hervor, dass der Winzersturm Mahnung und Auftrag zugleich sei. Der Präsident des Landesamtes für Steuern Rheinland-Pfalz, Stephan Filtzinger, hob hervor, dass sich die Steuerverwaltung heute als Dienstleister versteht, die nicht nur rechtlich korrekt, sondern auch bürgerorientiert agiert.
Differenzierte Diskussion auf dem Podium
An der von Dr. Matthias Vollet moderierten Podiumsdiskussion beteiligten sich neben Peter Müller auch Marco Weber, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Dr. Julia Köster, Leiterin des Finanzamts Wittlich sowie die Moselweinkönigin Teresa Oster.
Die Diskussion beleuchtete die damalige wirtschaftliche Notlage der Winzer, die Rolle der noch jungen Finanzverwaltung in der Weimarer Republik und die Frage, wie demokratische Systeme sozialen Spannungen begegnen. Die Diskussion warf auch einen Blick auf die Bauernproteste 2024 und beleuchtete die Unterschiede. Einigkeit bestand darin, dass Transparenz, Dialog und Rechtsschutz heute wesentliche Elemente eines modernen Staatsverständnisses seien.
Ausstellung „Protest in der Demokratie“
Die Ausstellung ist seit dem 26. Februar 2026 bis zum Jahresende kostenfrei in der Verbandsgemeindeverwaltung Bernkastel-Kues zu sehen.